Black Friday: Der Kater nach dem großen Shoppingrausch

Black-Friday-Frust? - Anlass, das eigene Shoppingverhalten zu überdenken?

Shopping kann schön, aber eben auch belastend sein.

Die Devise, sich die Welt schön zu saufen, hat auch nie so richtig funktioniert.

Sie sich schön zu shoppen, klappt auch nicht besser. Shopping Exzess-Events wie Black Friday wären gar nicht so ein Problem, wenn Black Friday nicht schon längst immerzu herrschte – als Ersatzbefriedigung für ganz andere Bedürfnisse. Und dem Planeten schadet es sowieso.  Wollt ihr raus aus der Shopping Falle? Wir geben Tipps und Anregungen, wie es anders geht.

Der Black Friday ist da, dicht gefolgt vom Cyber Monday (der Montag nach dem Black Friday) und im Netz und in der Einkaufswelt tobt eine Verkaufs- und Rabattschlacht, das einem schwindelig werden kann. Als Verbraucher*in ist man verunsichert. Denn natürlich ist es legitim, dass man bei Einkäufen sparen möchte. Dass man bis zu diesem Zeitpunkt wartet, um eine nötige Ausgabe zu tätigen, wie ein neuer benötigter Computer oder das Besorgen von Weihnachtsgeschenken macht Sinn. Aber ist Black Friday überhaupt noch ein Garant dafür? Schuld an dieser Verunsicherung sind unehrliche Praktiken von Anbietern, die die Preise im Vorfeld des Oktobers höher angesetzt haben, damit sie im Vorfeld der Aktionstage Rabatte anbieten können, die dann aber in Wahrheit gar keine mehr sind. Oder die Bezugspreise für die Rabatte sind die unverbindlichen Preisempfehlungen des Herstellers, die im Handel aufgrund ihrer Höhe oftmals keine Anwendung finden.

Das Vergleichsportal „idealo“ hat im Jahr 2020 eine Analyse der 100 beliebtesten Produktkategorien (über 9.200 Produkte bei etwa 1.700 Händlern) erstellt und kam zu dem Schluss: „61 % der Produkte waren am Black Friday günstiger als noch im Oktober. Im Durchschnitt liegt die Ersparnis am Black Friday jedoch bei gerade einmal 4 %. Nur etwa jedes siebte Black-Friday-Angebot war um mehr als 20 % reduziert.”

Wenn man sich diese Zahlen vor Augen führt, bedeutet das, dass viele der Produkte in Wahrheit nur geringfügig heruntergesetzt waren, sonst könnte man nicht summa summarum bei durchschnittlich 4% Ersparnis landen. Ein rot durchgestrichener Preis lockt uns Konsument*innen jedoch magisch an, auch wenn es sich dann vielleicht manchmal sogar nur um wenige Cent handelt. Und so schön das Sparen auch ist, muss man auch so ehrlich mit sich sein, dass Produkte häufig auch zurecht einen Preis haben und sich kleinere Anbieter eine Rabattschlacht nicht erlauben können. Doch die großen Handelsketten und Big Player im Markt haben es raus, wie sie die Konditionen zu ihren Gunsten drehen, sie lullen uns ein mit Versprechen, den ständigen Verführungen und Verfügbarkeiten.

Das Netz hat Einkaufen in Blitzgeschwindigkeit ermöglicht, im Netz gesehen, bestellt, mit einem Bezahldienst in einem Wimpernschlag das Geld überwiesen oder in Raten abgestottert und nach wenigen Tagen werden die Sachen geliefert und vielleicht genauso schnell zurückgeschickt. Die Spirale dreht sich immer schneller. Und da kommen wir zu dem nächsten Phänomen, dass es uns so leicht gemacht wird, zu konsumieren, dass wir teils konsumieren, obwohl wir die Sachen gar nicht wirklich benötigen. Die Gefahr ist durch Black Friday und Co. noch einmal gestiegen, wir kaufen dann nur, weil wir doch etwas sparen können, obwohl wir uns eigentlich den ganzen Kauf sparen könnten. Wir bräuchten die Sachen genau genommen gar nicht, lassen uns aber doch verführen, dafür Geld auszugeben. Im Gegenteil am Ende werden die vielen Dinge oft zur Belastung, volle Schränke und Schubladen sorgen für Frust und Überforderung.

Wir haben den Black Friday aus den USA übernommen. Black Friday wird in den Vereinigten Staaten der Freitag nach Thanksgiving genannt. Da Thanksgiving immer auf den vierten Donnerstag im November fällt, gilt der darauffolgende Freitag als Start in ein traditionelles Familienwochenende und als Beginn der Weihnachtseinkaufsaison.

Da stecken viel Marketing und eine Vernebelung der Konsumentensinne dahinter.  Konsumieren ist eine Ersatzbefriedigung, weil andere Bedürfnisse zu kurz kommen. Und der neue Black-Friday-Hype steht sinnbildlich für diese sich immer schnellere Konsumspirale, einer permanenten Bespielung mit Angeboten, ‚Must-haves‘, neuesten Technik-Gimmicks, Küchenmaschinen, Uhren, Fahrrädern, Shoppern, Luxustaschen, Sneakern und Sonnenbrillen, die zu neuen Statussymbolen avancieren, von denen uns vermittelt wird, dass wir sie unbedingt brauchen. Auf Instagram, Pinterest, TikTok und Co. geben Influencer*innen Tipps zu Lifestyle, Selfcare, Entschleunigung und Nachhaltigkeit und nebenbei vermarkten sie hundertfach Produkte, Styles und Lebenskonzepte.

Es wird unterschwellig Druck auf uns Konsument*innen erzeugt, dass diese vorgespielte Glitzerwelt glücklich macht und Chia-Drinks, Proteinfood, die richtigen Klamotten und Dekozeugs auf direktem Pfad zur Glückseligkeit führen.

Konsum ist nicht per se etwas Schlechtes und die Jagd nach Schnäppchen ist es auch nicht, aber es darf eben nicht ausufern. Und das tut es. Weil wir noch mehr als früher mit Werbung im Fernsehen und Printmedien durch die mediale Welt in ständiger Dauerbeschallung sind, weil die Grenzen zwischen Produktempfehlung und Werbung immer mehr verschwimmen, die Auflösung der Grenzen zwischen Journalismus und bezahlten Anzeigen in journalistischem Tarnmäntelchen immer mehr Einzug halten. Das Leben ist zur Dauerwerbesendung geworden. Das mag niemanden mehr überraschen, aber erschrecken sollte uns das schon.

Dass dieser Art von Konsum und Lifestyle-Erhöhung nicht glücklich macht, erläutert Psychotherapeutin Katharina van Bronswijk sehr anschaulich. Noch dazu ist diese Konsumspirale fatal für unseren Planeten.

Foto von Anomaly auf Unsplash

FastFashion, darunter versteht man billig produzierte Klamotten, die nur kurz getragen und dann wieder aussortiert werden, ist ein großes Umweltübel. Die Textilindustrie ist einer der größten Umweltverschmutzer auf unserem Planeten. Über 100 Milliarden Kleidungsstücke werden jedes Jahr produziert, von denen ein erschreckend großer Teil ungenutzt im Müll landet. Für die Herstellung eines einzigen Baumwoll-T-Shirts werden schätzungsweise 2.700 Liter Süßwasser benötigt, was der Menge entspricht, die eine Person in 2,5 Jahren trinkt, wie das Europäische Parlament ermittelt hat. Und das ist nur ein Aspekt in der gesamten Kette. Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf, Entsorgung all das belastet unseren Planeten.

Zeit einmal darüber nachzudenken, einiges anders zu machen.

Hier gibt es in den nächsten Wochen Alternativ-Tipps zum Black-Friday- oder belastendem Weihnachts-Shopping.

Erste Schritte

  1. Bewusst konsumieren:

Wir sollten vom gedankenlosen Kaufen wegkommen. Vor jedem Shopping-Kauf wäre es gut, sich die Frage zu stellen, wie nötig wir das anvisierte Teil wirklich brauchen? Haben wir nicht vielleicht schon einige sehr ähnliche Produkte zuhause? Wie oft nutzen wir die? Erfüllen die die Funktion nicht vielleicht genauso gut?

  1. Vorhandenes durchgehen und neu sortieren.

Das Vorhandene durchzugehen kann sehr sinnvoll sein. Das eröffnet Perspektiven. Es werden vielleicht Sachen wiederentdeckt, dessen Existenz man vergessen hatte. Schränke und Schubladen und Rumpelecken bergen oft Schätze, so dass man gar keine Neuanschaffungen braucht. Wenn Dinge hübsch und übersichtlich angeordnet werden, hat man auch gleich mehr Lust, sie wieder zu benutzen.

Kleiderschrank durchforsten, neue Outfits zusammenstellen

Wahrscheinlich haben die meisten von uns zu kleine Schränke für all die Sachen (oder zu viele Sachen für den vorhandenen Platz – Ansichtssache)? Es hilft die Sachen alle einmal herauszuräumen, zu sortieren und auch anzuprobieren. Was hoffnungslos zu klein ist, sollte weg. Da macht man sich sonst nur etwas vor. Kleindungsstücke, die leicht zu klein sind, können ein toller Ansporn sein, dass man wieder in das gute Stück hineinpasst und um das zu erreichen, muss man gleich ein wenig mehr Sport und gesündere Essensphasen einlegen, was dann eine absolute „Win-Win-Win-Situation“ wäre. Wenn man den Kleiderschrank übersichtlich sortiert, kommen wetten, neue Outfitmöglichkeiten ans Tageslicht, die man sonst glatt übersehen würde. Einfach mal ausprobieren.

Spiele & Bücher:

Wie wäre es, wenn man Freunden oder Familien mal wieder einen Spieleabend vorschlägt? Denn viele haben noch die klassischen Brettspiele in den Schränken herumschmoren, aber sie fristen mittlerweile oft ein vernachlässigtes Dasein. Besser als schon wieder ein Abend auf dem Sofa mit Netflix und Chips zu verbringen.

Bücher:

Sicher gibt es noch Bücher, die noch darauf warten, gelesen zu werden. Oder man fragt bei Freunden nach, ob sie einem das Buch ausleihen, dass sie selber in den letzten Monaten besonders gemocht haben. Das kann auch zu spannenden Gesprächen führen und hat etwas sehr Verbindendes.  

Küchenschränke:

Auch in den Küchenschränken nachzugucken, kann inspirierend sein. Vielleicht verführt einen der verstaubte Schmortopf dazu, mal wieder ein Gericht auszuprobieren, das schon lange auf der Wuschliste stand.  

Kochbücher durchgehen:

Viele haben viel zu viele davon. Vielleicht beschränkt man sich lieber auf ein paar weniger, guckt dafür aber öfters mal herein.

Bad:

Auch hier tut eine Entrümpelung und Bestandsaufnahme gut.

Keller, Dachboden, Rumpelecken:

Hier finden sich sicher auch viele Schätze. Vielleicht mal wieder Rollerblades anschnallen oder mit Freunden oder Kindern eine Partie Badminton im Park spielen?

Ausmisten:

Wenn man schon beim Durchschauen ist, kann dabei das Ausmisten natürlich auch nicht schaden. Denn manchmal verstellen einem zu viele Sachen den Blick auf die wirklich guten Dinge, die man zuhause besitzt.

  1. Second-Hand-Shopping

Wenn man dann doch etwas kaufen will oder muss, wie wäre es dann vielleicht mit Vintage? Es gibt gerade durch das Netz mittlerweile unzählige Möglichkeiten, in vielen Bereichen auf Second-Hand-Produkte zu setzen.

Denn es ist allemal nachhaltiger ein Produkt, das bereits produziert wurde (und unsere Welt ist bereits voller, im Überfluss produzierter Dinge), zu erwerben, als dass diese Sache extra neu hergestellt werden muss. Eine Liste mit empfehlenswerten Second-Hand Shopping Angeboten folgt.

 

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